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Rauchpunkt-Tabelle für Speisefette

Rauchpunkt-Tabelle mit Speiseölen und -fetten von Rindertalg bis Olivenöl, sortiert nach Temperatur in Grad Celsius

Das Wichtigste in Kürze

Die Rauchpunkt-Tabelle verrät dir, wann ein Fett in der Pfanne zu rauchen beginnt – doch sie sagt nichts über die wahre Hitzestabilität aus. Erfahre hier, warum raffinierte Pflanzenöle täuschen und ein hoher Rauchpunkt allein nicht vor schädlicher Oxidation schützt.

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Jan-Lucca Sielski, Gründer und Geschäftsführer von Hero Bites

Gründer & Geschäftsführer von Hero Bites

Welches Öl hat den höchsten Rauchpunkt?

Kurze Antwort: natives Avocadoöl. Es raucht erst ab etwa 261 °C, dicht gefolgt von Senföl mit 254 °C und raffiniertem Sonnenblumenöl mit 252 bis 254 °C. Rindertalg liegt mit rund 250 °C direkt dahinter. Aber die ehrliche Antwort hört hier nicht auf, denn diese Zahl ist der meistzitierte und am schlechtesten verstandene Wert der ganzen Küche. Der Rauchpunkt sagt dir, wann ein Fett sichtbar zu rauchen beginnt. Er sagt dir nicht, wie lange es Hitze aushält, ohne dabei chemisch den Bach runterzugehen. Bevor wir dazu kommen, hier erstmal die Tabelle, die du eigentlich gesucht hast.

FettRauchpunkt (°C)Einordnung
Avocadoöl (nativ)261 °C[1]Spitzenwert, aber teuer und im Geschmack dominant
Senföl254 °C[1]Hoch, in der deutschen Küche aber selten
Sonnenblumenöl (raffiniert)252–254 °C[1]Hoher Rauchpunkt, instabile Fettsäuren (dazu gleich mehr)
Rindertalg (Beef Tallow)ca. 250 °C[7]Hoch und zugleich oxidationsstabil
Erdnussöl (raffiniert)230 °C[1]Klassiker für die Fritteuse
Rapsöl (raffiniert)190–230 °C[1]Streuung je nach Quelle und Charge
Traubenkernöl216 °C[1]Mittlere Klasse
Sojaöl213 °C[1]Mittlere Klasse
Distelöl (raffiniert)210 °C[1]Mittlere Klasse
Butterschmalz200–205 °C[1]Solide fürs scharfe Anbraten
Kokosfett185–205 °C[1]Je nach Quellenlage ausreichend für die meisten Pfannen
Butterca. 175 °C[1]Für hohe Hitze zu niedrig
Olivenöl (nativ extra)160–210 °C[1]Große Streuung, siehe letzter Abschnitt
Sonnenblumenöl (kaltgepresst)107 °C[1]Nur für kalte Küche
Leinöl107 °C[1]Nur für kalte Küche

Zwei Dinge fallen dir an dieser Tabelle auf. Erstens: kaum zwei Quellen sind sich einig, wo der genaue Rauchpunkt eines Öls liegt. Die Werte streuen je nach Raffinationsgrad, Lagerung und Charge, deshalb behandele jede Zeile als Spanne, nicht als Naturgesetz. Zweitens: Die Tabelle listet absichtlich auch Fette, die wir bei Hero Bites nicht verkaufen. Eine Tabelle, die nur die eigenen Produkte zeigt, hilft dir beim Vergleich nicht weiter.

Wenn du tiefer einsteigen willst, wirft vor allem der Vergleich zwischen raffiniertem und nativem Sonnenblumenöl die Frage auf, die der Rest dieses Artikels beantwortet: Warum liegen zwischen 107 °C und 254 °C fast 150 Grad, obwohl es in beiden Fällen Sonnenblumenöl ist?

Wie werden Rauchpunkte überhaupt gemessen?

Die Streuung in der Tabelle hat einen handfesten Grund: Der Rauchpunkt ist keine physikalische Konstante wie der Siedepunkt von Wasser, sondern das Ergebnis einer Standardmessung mit einem subjektiven Endpunkt. Die gebräuchlichste Methode ist die AOCS Official Method Cc 9a-48, das Cleveland Open Cup Verfahren[2].

  1. Ein Cleveland-Becher wird mit der Ölprobe bis zur Markierung gefüllt und schnell auf etwa 42 °C unter den erwarteten Rauchpunkt erhitzt, das dauert rund sechs Minuten.
  2. Danach wird die Heizleistung so geregelt, dass die Temperatur nur noch um 5 bis 6 °C pro Minute steigt.
  3. Der Messende beobachtet die Oberfläche und notiert die Temperatur, sobald ein dünner, durchgehender Rauchfaden aufsteigt. Genau das ist der Rauchpunkt.

Es geht also auch ohne Rätselraten: Eine Studie mit 48 nativen Olivenölen hat gezeigt, dass sich der Rauchpunkt aus dem Gehalt an freien Fettsäuren zuverlässig vorhersagen lässt, ganz ohne direkte Messung. Der Gehalt an freien Fettsäuren war der stärkste Einzelfaktor, in einem klaren umgekehrten Verhältnis: je mehr freie Fettsäuren, desto niedriger der Rauchpunkt[3]. Das ist der Schlüssel zum nächsten Abschnitt.

Warum hebt Raffination den Rauchpunkt?

Jetzt lässt sich der Mechanismus aufdröseln. Freie Fettsäuren sind flüchtige, kleinere Moleküle, die beim Erhitzen als Rauch entweichen, lange bevor die eigentlichen Triglyceride zerfallen. Je mehr davon im Öl schwimmen, desto früher raucht es. Die Raffination, also etwa Entschleimen, Neutralisieren, Bleichen und Desodorieren, entfernt genau diese freien Fettsäuren und andere flüchtige Stoffe[4]. Weniger flüchtige Moleküle bedeutet: Der Rauchpunkt steigt und wird obendrein von Charge zu Charge konsistenter.

Das Beispiel aus der Tabelle macht den Effekt greifbar. Kaltgepresstes Sonnenblumenöl raucht ab etwa 107 °C[1], raffiniertes Sonnenblumenöl erst bei 252 bis 254 °C[1]. Dieselbe Pflanze, dasselbe Öl, fast 150 Grad Unterschied, allein durch die Vorbehandlung. Deshalb raucht dein kaltgepresstes Öl in der Pfanne schon beim mittleren Braten, während das Flaschenöl vom Discounter scheinbar mühelos hohe Hitze wegsteckt.

Und hier kommt der entscheidende Haken: Die Raffination ändert nichts am Fettsäuremuster der Triglyceride. Sie filtert die freien Fettsäuren heraus, nicht die mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFAs), die fest im Fettmolekül eingebaut sind. Der PUFA-Anteil von rund 65 % in Sonnenblumenöl steckt auch im Raffinat. Der hohe Rauchpunkt ist also real, aber er beschreibt nur die Oberfläche. Was unterhalb des Rauchpunkts mit diesen PUFAs passiert, ist die eigentliche Geschichte, und die erzählt dir keine Rauchpunkt-Tabelle.

Warum reicht der Rauchpunkt allein nicht?

Das ist die Kernthese dieses Artikels: Der Rauchpunkt markiert nur den Beginn sichtbaren Rauchs. Unterhalb dieser Temperatur ist ein Fett längst nicht chemisch untätig. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren oxidieren bereits bei Brathitze zu Abbauprodukten, darunter Aldehyde wie Acrolein[5]. Ein Öl mit hohem PUFA-Anteil kann also einen brillanten Rauchpunkt haben und trotzdem bei jedem Bratvorgang ordentlich Abbauprodukte bilden. Du siehst nur keinen Rauch, weil die Raffination die freien Fettsäuren entfernt hat, die zuerst rauchen würden.

Wie schnell eine Fettsäure oxidiert, hängt an der Zahl ihrer Doppelbindungen. Die Peroxidationsgeschwindigkeit fällt in dieser Reihenfolge: Linolensäure mit drei Doppelbindungen am schnellsten, dann Linolsäure mit zwei, deutlich dahinter die einfach ungesättigte Ölsäure, und am langsamsten die gesättigte Stearinsäure[6]. Die Oxidationsstabilität eines Fettes hängt also am PUFA-Anteil, nicht am Rauchpunkt. Genau deshalb ist der Vergleich der Fettsäureprofile das aussagekräftigere Kriterium, etwa beim PUFA-Gehalt verschiedener Bratfette.

  • Rauchpunkt: Wann wird der Rauch sichtbar? Eine Frage der freien Fettsäuren.
  • Oxidationsstabilität: Wie lange hält das Fett Hitze aus, ohne zu zerfallen? Eine Frage des PUFA-Anteils.
  • Beides hängt zusammen, aber es ist nicht dasselbe. Ein hoher Rauchpunkt rettet dich nicht vor einem hohen PUFA-Anteil.

Welche Fette tragen 200 bis 250 Grad?

Für alle, die es eilig haben: Das ist die Kurzwahl für hohe Hitze, geordnet nach Rauchpunkt und ergänzt um die Stabilitätsfrage, die der letzte Abschnitt aufgeworfen hat.

FettRauchpunkt (°C)PUFA-Anteil
Rindertalg (Beef Tallow)ca. 250 °C[7]3–4 %[7]
Sonnenblumenöl (raffiniert)252–254 °C[1]ca. 65 %[8]
Erdnussöl (raffiniert)230 °C[1]ca. 20 %[9]
Rapsöl (raffiniert)190–230 °C[1]ca. 28 %[10]
Butterschmalz200–205 °C[1]ca. 4 %[11]
Kokosfett185–205 °C[1]ca. 2 %[12]

Die Entscheidungskriterien sind damit klar: erst der Rauchpunkt, dann der PUFA-Anteil. Nur die Kombination aus beidem sagt dir, ob ein Fett nicht nur einmal, sondern wiederholt Hitze trägt. Raffiniertes Sonnenblumenöl gewinnt die Rauchpunkt-Tabelle und verliert gleichzeitig die Stabilitätsrechnung mit rund 65 % PUFAs. Rindertalg liegt mit rund 250 °C fast gleichauf und bringt nur 3 bis 4 % instabile Fettsäuren mit. Dass ein Zuviel an Omega-6-Fettsäuren wie Linolsäure das Verhältnis zu Omega-3 im Körper verschiebt, hat Simopoulos ausführlich dokumentiert[13]. Das ist der Grund, warum wir bei Hero Bites alles in Grass-Fed Beef Tallow frittieren statt in Pflanzenöl, und zwar konsequent No Seedoil.

Eine Stufe fehlt noch: die Weidehaltung. Grass-Fed-Rinder liefern ein Fett mit günstigerem Fettsäureprofil als Masttiere, das belegt die Übersicht von Daley und Kollegen zu Fettsäureprofilen und Antioxidantien in Grass-Fed-Beef[14]. Unser Premium Beef Tallow besteht zu 100 % aus Rindertalg aus Weidehaltung (Grass-Fed). Wenn du dein Bratfett nach genau diesen zwei Kriterien aussuchen willst, schau dir das hitzestabile Bratfett an.

Warum darf man Olivenöl nicht hoch erhitzen?

Zuerst die faire Antwort: Man darf es schon, nur wird es knapp. Natives Olivenöl extra liegt je nach Quelle und Charge zwischen 160 und 210 °C[1]. Für mittlere bis kräftige Hitze reicht das locker, für scharfes Anbraten über 200 °C wird es eng, und für wiederholtes Erhitzen in der Fritteuse taugt es von Haus aus nicht. Die große Streuung erklärt sich übrigens aus Abschnitt zwei: Der Rauchpunkt hängt am Gehalt an freien Fettsäuren, und der variiert bei nativen Ölen stark zwischen Ernte, Hersteller und Lagerung.

Gleichzeitig gehört Olivenöl fairerweise aus der Schusslinie. Frische native Öle mit wenig freien Fettsäuren und hohem Polyphenolgehalt sind stabiler als ihr Ruf, und Olivenöl ist reich an einfach ungesättigter Ölsäure, die deutlich langsamer oxidiert als die Linolsäure in Seed Oils[2]. Die Studie mit den 48 nativen Olivenölen zeigte zusätzlich, dass die phenolischen Begleitstoffe die Rauchpunktmessung nach oben verschieben, weil sie die Bildung flüchtiger Oxidationsprodukte bremsen[2]. Ein gutes, frisches Olivenöl ist also kein heikles Zartbesaitetes, sondern ein solides Pfannenöl.

Die Einordnung fällt deshalb nüchtern aus: Für Salate, mediterrane Gerichte und mittlere Hitzen ist natives Olivenöl ein guter Begleiter, und es bleibt drin, wo es hingehört. Für dauerhaft 200 °C plus, fürs Frittieren und fürs wiederholte Erhitzen gibt es aber stabileres Fett, und das ist kein Zufall der Tabelle, sondern Chemie: niedriger PUFA-Anteil schlägt hoher Rauchpunkt. Wer diese Logik einmal verstanden hat, liest jede künftige Rauchpunkt-Tabelle mit anderen Augen, und genau das war das Ziel.

Häufig gestellte Fragen

Welches Öl hat den höchsten Rauchpunkt?

Ganz oben liegen natives Avocadoöl mit etwa 261 °C, Senföl mit 254 °C und raffiniertes Sonnenblumenöl mit 252 bis 254 °C, dicht gefolgt von Rindertalg mit rund 250 °C. Die Werte streuen je nach Quelle, Raffinationsgrad und Charge, deshalb solltest du sie als Spanne lesen, nicht als exakte Zahl.

Welches Fett hat 250 Grad Rauchpunkt?

Rindertalg erreicht etwa 250 °C und gehört damit zur Spitzengruppe der Bratfette. Butterschmalz liegt je Quelle bei 200 bis 205 °C, natives Avocadoöl mit 261 °C noch darüber. Wichtig: Ein hoher Rauchpunkt sagt nichts darüber aus, wie stabil ein Fett bei wiederholtem Erhitzen bleibt.

Welche Öle darf man über 200 Grad erhitzen?

Über 200 °C vertragen unter anderem raffiniertes Sonnenblumenöl (252 bis 254 °C), raffiniertes Erdnussöl (230 °C), raffiniertes Rapsöl (190 bis 230 °C), Maiskeimöl (200 °C), Kokosfett (185 bis 205 °C), Butterschmalz (200 bis 205 °C) und Rindertalg (250 °C). Native, kaltgepresste Öle wie Leinöl (107 °C) oder kaltgepresstes Sonnenblumenöl (107 °C) gehören nicht in die Pfanne bei hoher Hitze.

Warum hat raffiniertes Öl einen höheren Rauchpunkt als natives Öl?

Der Rauchpunkt hängt vor allem vom Gehalt an freien Fettsäuren ab: Je mehr davon, desto früher raucht das Fett. Die Raffination entfernt freie Fettsäuren und andere flüchtige Stoffe, dadurch steigt der Rauchpunkt deutlich. Kaltgepresstes Sonnenblumenöl raucht ab etwa 107 °C, raffiniertes erst bei 252 bis 254 °C. Am Fettsäuremuster, also auch am PUFA-Anteil, ändert die Raffination nichts.

Ist ein hoher Rauchpunkt ein Zeichen für ein gutes Bratfett?

Nur zur Hälfte. Der Rauchpunkt sagt, ab wann sichtbarer Rauch entsteht, aber nicht, wie stabil ein Fett unter Dauerhitze ist. Entscheidend ist der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, denn die oxidieren beim Erhitzen am schnellsten zu Abbauprodukten wie Aldehyden. Rindertalg mit 3 bis 4 % PUFAs ist hier deutlich stabiler als Sonnenblumenöl mit rund 65 %, obwohl beide ähnliche Rauchpunkte haben können.

Kann man mit Olivenöl braten?

Ja, bei mittlerer Hitze. Natives Olivenöl extra liegt je Quelle und Charge zwischen 160 und 210 °C, für das scharfe Anbraten über 200 °C wird es knapp. Frische native Öle mit wenig freien Fettsäuren und vielen Polyphenolen sind dabei stabiler als ältere. Für dauerhaft hohe Temperaturen oder wiederholtes Erhitzen sind Fette mit weniger mehrfach ungesättigten Fettsäuren die sicherere Wahl.

Sinkt der Rauchpunkt, wenn man Öl wiederverwendet?

Ja. Mit jedem Bratvorgang entstehen durch Hydrolyse mehr freie Fettsäuren, und genau diese senken den Rauchpunkt. Ein mehrfach erhitztes Fett raucht also früher als ein frisches. Deshalb empfehlen Fachquellen, Frittierfett regelmäßig zu erneuern und im Bereich von 160 bis 180 °C zu arbeiten.

Quellen

  1. [1]de.wikipedia.org
  2. [2]pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  3. [3]mdpi.com
  4. [4]pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  5. [5]frontiersin.org
  6. [6]sciencedirect.com
  7. [7]en.wikipedia.org
  8. [8]en.wikipedia.org
  9. [9]en.wikipedia.org
  10. [10]en.wikipedia.org
  11. [11]en.wikipedia.org
  12. [12]en.wikipedia.org
  13. [13]pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  14. [14]nutritionj.biomedcentral.com

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