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Acrylamid in Kartoffelchips: Entstehung, Richtwert, Minimierung

Goldgelb gebräunnte Kartoffelchips in einer Schüssel neben rohen Kartoffelscheiben, symbolisieren die Entstehung von Acrylamid beim Frittieren

Das Wichtigste in Kürze

Acrylamid in Chips ist kein Zutatenproblem, sondern eine Frage der Prozessführung: Es entsteht ab etwa 120 Grad Celsius aus Zucker und Asparagin direkt in der Kartoffel. Die EU setzt mit 750 Mikrogramm pro Kilogramm einen Richtwert, keinen Grenzwert, und acrylamidfreie Kartoffelchips gibt es nicht.

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Jan-Lucca Sielski, Gründer und Geschäftsführer von Hero Bites

Gründer & Geschäftsführer von Hero Bites

Wie entsteht Acrylamid in Chips überhaupt?

Acrylamid steht auf keiner Zutatenliste, weil es keine ist. Es ist ein Prozessprodukt: Eine chemische Reaktion, die erst bei der Herstellung passiert und die man in der Zutatenliste einer Packung Chips vergeblich sucht. Die Chemie dahinter heißt Maillard-Reaktion. Sie ist normalerweise dein Freund, denn sie sorgt für die goldbraune Kruste auf dem Steak und das Aroma von frischem Brot. Bei Kartoffeln hat sie allerdings einen Nebeneffekt: Aus der Aminosäure Asparagin und reduzierenden Zuckern wie Glukose und Fruktose entsteht bei starker Erhitzung auch Acrylamid.

Der Auslöser liegt bei etwa 120 Grad Celsius. Von dort an steigt die Bildung, und ab 170 bis 180 Grad Celsius geht sie sprunghaft nach oben. Genau der Bereich, in dem Frittieren, Backen und Rösten üblicherweise stattfinden. Dazu kommen zwei Verstärker: ein geringer Wassergehalt im Lebensmittel und eine lange Erhitzungsdauer. Beides trifft auf Chips zu, die so lange im Fett oder Ofen bleiben, bis sie knusprig trocken sind.

Die drei Zutaten der Reaktion stecken naturgemäß in jeder Kartoffel. Asparagin und reduzierende Zucker sind von Haus drin, und die Hitze kommt beim Frittieren obendrauf. Deshalb ist die Acrylamidbildung bei Kartoffelprodukten besonders ausgeprägt. Gekochte oder gedünstete Kartoffeln bleiben dagegen frei davon, weil die Temperatur beim Kochen nie über die 120-Grad-Marke steigt. Es ist also keine Frage der Marke oder des Preises, sondern reine Reaktionschemie.

Welche Chips haben am wenigsten Acrylamid?

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat 2023 in einem Schwerpunktprogramm 67 Proben Kartoffelchips und vergleichbare Kartoffelsnacks untersucht. Das Ergebnis ist eine gute Nachricht und eine ehrliche: Keine einzige Probe war acrylamidfrei. Gleichzeitig hielten rund 97 Prozent der industriell gefertigten Chips den EU-Richtwert von 750 Mikrogramm pro Kilogramm ein, überwiegend sogar deutlich darunter.

ProduktgruppeBefund 2023 (LGL)
Industriell gefertigte KartoffelchipsRund 97 % hielten den Richtwert von 750 µg/kg ein
Ofenchips aus KartoffelteigMaximal 234 µg/kg, die niedrigsten Werte aller Produktgruppen
Tortilla-Chips auf MaisbasisMaximal 214 µg/kg (LGL-Ergebnisse 2022)
Handwerkliche Chips von Jahrmärkten4 von 5 Proben über dem Richtwert, Spitzenwert 3.584 µg/kg

Die Produktgruppen unterscheiden sich deutlich. Ofenchips aus Kartoffelteig oder Kartoffelmehl schnitten mit einem Maximalgehalt von 234 Mikrogramm pro Kilogramm am besten ab, weil Teig- und Mehlprodukte weniger freie Zucker und Asparagin an der Oberfläche haben als rohe Kartoffelscheiben. Tortilla-Chips auf Maisbasis erreichten maximal 214 Mikrogramm pro Kilogramm und sind damit laut LGL eine sinnvolle Alternative[1]. Kesselchips, die mit einer schonenden Zubereitung im Kessel werben, brachten dagegen keinen Vorteil: Das langsame Rösten im Kessel ist kein Garant für niedrige Acrylamidwerte.

Handwerklich hergestellte Chips von Volksfesten und Weihnachtsmärkten sind das Gegenteil: Vier von fünf Proben überschritten den Richtwert, die Spitze lag bei 3.584 Mikrogramm pro Kilogramm. Oft korrelierte der hohe Gehalt mit einer dunklen Bräunung. Und noch ein Punkt für alle, die zum Bio-Regal greifen und dort automatisch weniger Prozesskontaminanten vermuten: Bio ist kein Acrylamid-Schutz. Die beiden einzigen Überschreitungen bei den industriellen Chips waren Bio-Produkte, eine Probe herkömmlicher Bio-Chips mit 857 und eine Probe Bio-Stapelchips mit 983 Mikrogramm pro Kilogramm. Das Bio-Siegel sagt etwas über Anbau und Zutaten aus, nicht über die Prozessführung beim Frittieren.

Was regelt der EU-Richtwert genau?

Hier passiert der häufigste Denkfehler: Der Richtwert ist kein Grenzwert. Ein Grenzwert bedeutet, dass ein Produkt darüber nicht verkauft werden darf. Ein Richtwert bedeutet, dass Hersteller alles daransetzen müssen, ihn einzuhalten, und dass bei Überschreitung sofort nachgebessert werden muss. Das Produkt wird aber nicht automatisch vom Markt genommen. Die Verordnung (EU) 2017/2158 gilt seit dem 11. April 2018 und setzt für Kartoffelchips und vergleichbare Kartoffelknabbererzeugnisse einen Richtwert von 750 Mikrogramm pro Kilogramm fest.

  • Die Verordnung (EU) 2017/2158 ist seit dem 11. April 2018 in Kraft und setzt für Kartoffelchips und vergleichbare Kartoffelknabbererzeugnisse einen Richtwert von 750 µg/kg fest[2].
  • Hersteller müssen Minimierungsmaßnahmen anwenden, um den Richtwert einzuhalten[3].
  • Bei Überschreitung müssen die Maßnahmen überprüft und angepasst werden, das Produkt wird aber nicht automatisch vom Markt genommen[3].
  • Die Richtwerte werden alle drei Jahre von der EU-Kommission überprüft, erstmals binnen drei Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung[3].

Die Verbraucherzentrale ordnet das so ein: Lebensmittelunternehmer, die Chips, Pommes oder Brot herstellen, müssen sicherstellen, dass der Acrylamidgehalt unter den in der Verordnung festgelegten Richtwerten bleibt[3]. Liegt der Gehalt über dem Richtwert, soll der Hersteller umgehend Maßnahmen ergreifen, um ihn zu senken. Die Richtwerte sollen alle drei Jahre überprüft werden, für die erste Überprüfung im Jahr 2021 lagen im Oktober 2023 allerdings noch keine neuen Werte vor. Für dich als Käufer heißt das: Der Richtwert ist eine Prozessvorgabe an die Hersteller, kein Siegel auf der Packung, das dir sagt, wie viel Acrylamid konkret in deiner Tüte steckt.

Welche Prozessschritte senken den Gehalt?

Weil Acrylamid ein Prozessprodukt ist, liegt der Hebel auch im Prozess. Drei Stellschrauben entscheiden, wie viel davon am Ende in der Tüte landet. Sie gelten für die Industrie genauso wie für deine Pfanne zu Hause.

  1. Sortenwahl und Lagerung: Kartoffelsorten mit niedrigem Zuckergehalt wählen und nicht unter 8 Grad Celsius lagern. Bei Kälte baut die Kartoffel Stärke zu Glukose ab, und genau dieser Zucker ist ein Ausgangsstoff der Acrylamidbildung. Kartoffeln für Brat- und Frittiergerichte gehören also nicht in den Kühlschrank.
  2. Frittiertemperatur und -dauer: Die Temperatur beim Frittieren unter 175 Grad Celsius halten und möglichst kurz frittieren. Acrylamid bildet sich erst ab etwa 120 Grad Celsius und steigt ab 170 bis 180 Grad Celsius sprunghaft an, also zählt jeder Grad und jede Minute.

Der dritte Hebel ist die Farbe. Hellere, goldgelbe Bräunung statt dunkler Röstung, das Bundesverbraucherministerium fasst es als Grundregel zusammen: Vergolden statt Verkohlen. Acrylamid bildet sich vor allem in den stark gebräunten Randschichten, und die LGL-Proben mit dunkler Bräunung waren genau die mit den höchsten Werten. Wer beim Frittieren die Temperatur im Blick behält, schützt übrigens nicht nur vor Acrylamid, sondern auch das Frittierfett selbst: In PUFA-reichen Seedoils wie Sonnenblumenöl entstehen bei Hitze oxidativ Aldehyde, wie die Forschung um Grootveld zeigt[4]. Ein hitzestabiles Fett mit niedrigem PUFA-Anteil bleibt unter derselben Hitze deutlich länger stabil.

Gibt es Kartoffelchips ganz ohne Acrylamid?

Die ehrliche Antwort zuerst: Nein. Keine der 67 Proben aus der LGL-Untersuchung 2023 war acrylamidfrei, und das ist kein Zufall, sondern Chemie. Zucker und Asparagin stecken in der Kartoffel selbst, und solange sie bei Hitze knusprig gebacken wird, läuft die Reaktion an. Du kannst die Bildung minimieren, aber nicht vermeiden. Wer Acrylamid komplett meiden will, bleibt bei nicht erhitzten sowie gekochten oder gedünsteten Lebensmitteln.

Für Chips heißt das: Statt einem Acrylamid-Versprechen zu glauben, das kein Hersteller ehrlich geben kann, lohnt der Blick auf das, was tatsächlich drinsteckt und wie es gemacht wurde. Wer die Prozessfrage stellt, liest ohnehin die Zutatenliste. Und genau dort liegt der Unterschied, den du selbst prüfen kannst: Hero Bites Pure Salt Chips sind Bio-zertifiziert und werden in Grass-Fed Beef Tallow statt in Sonnenblumenöl frittiert. Das Grass-Fed Tallow bringt ein Omega-6 zu Omega-3-Verhältnis von etwa 1,4 zu 1 mit, wie eine Gaschromatographie-Analyse der Weston A. Price Foundation zeigt, und liegt damit nahe am evolutionären Gleichgewicht, das Simopoulos für die menschliche Ernährung beschreibt[5]. Mit seinem niedrigen PUFA-Anteil bleibt es bei Frittierhitze zudem deutlich stabiler als PUFA-reiche Seedoils.

Auch hier gilt: Bio-zertifiziert heißt nicht automatisch acrylamidarm, das haben die LGL-Daten gezeigt. Aber eine kurze, übersichtliche Zutatenliste heißt, dass du genau weißt, was in der Tüte steckt und was nicht. Wirf einen Blick auf die Zutatenliste von Hero Bites Pure Salt.

Häufig gestellte Fragen

Ist Acrylamid in Chips gesundheitsschädlich?

Im Tierversuch ist Acrylamid erbgutschädigend und krebserregend, weshalb Hersteller in der EU den Gehalt minimieren müssen. In Bevölkerungsstudien wurde bisher aber kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Aufnahme über Lebensmittel und einem erhöhten Krebsrisiko festgestellt, so das Bundesinstitut für Risikobewertung. Die Gesamtbelastung über die Ernährung zählt, nicht die einzelne Packung.

Welcher Grenzwert gilt für Acrylamid in Kartoffelchips?

Die Verordnung (EU) 2017/2158 setzt für Kartoffelchips einen Richtwert von 750 Mikrogramm pro Kilogramm fest. Das ist kein Grenzwert: Ein Produkt darf bei Überschreitung weiter verkauft werden, aber der Hersteller muss umgehend seine Minimierungsmaßnahmen überprüfen und anpassen.

Gibt es Kartoffelchips ganz ohne Acrylamid?

Nein, wie der LGL-Test 2023 gezeigt hat. Der Gehalt lässt sich durch Prozessführung minimieren, aber nicht auf null bringen, weil die Ausgangsstoffe in der Kartoffel selbst stecken.

Wie kann ich Acrylamid beim Braten und Frittieren vermeiden?

Frittiere unter 175 Grad Celsius und möglichst kurz, brate nur bis goldgelbe Bräunung (Vergolden statt Verkohlen) und lagere Kartoffeln nicht unter 8 Grad Celsius. Ein externes Fett-Thermometer hilft, weil viele Haushaltsfritteusen ungenau messen.

Haben Bio-Chips weniger Acrylamid?

Nicht automatisch. Im LGL-Test 2023 überschritten zwei Bio-Produkte den EU-Richtwert, darunter eine Probe Stapelchips mit 983 Mikrogramm pro Kilogramm. Acrylamid entsteht aus der Kartoffel selbst und der Prozessführung, das Bio-Siegel sagt darüber nichts aus.

Warum bilden Chips Acrylamid, gekochte Kartoffeln aber nicht?

Weil die Acrylamidbildung erst oberhalb von etwa 120 Grad Celsius einsetzt, und Kochen und Dünsten unter dieser Schwelle bleiben. Die Details dazu stehen im Abschnitt zur Entstehung weiter oben.

Bildet sich Acrylamid auch im Körper selbst?

Ja. Eine BfR-Studie 2024 verglich Mischköstler, Veganer und Rohköstler: Letztere wiesen trotz ausschließlich unverarbeiteter Kost noch 48 Prozent der Acrylamid-Addukte der Mischköstler im Blut auf. Der Körper produziert also selbst einen Teil, vermutlich durch oxidativen Stress oder Darmbakterien.

Quellen

  1. [1]lgl.bayern.de
  2. [2]eur-lex.europa.eu
  3. [3]verbraucherzentrale.de
  4. [4]pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  5. [5]westonaprice.org
  6. [6]bfr.bund.de
  7. [7]ugb.de
  8. [8]pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

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